24.02.2010

Was tut die EKD, wenn eine Bischöfin kriminell wird?


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Dr. Kersten Radzimanowski

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, wird am heutigen Mittwoch noch ihren Rücktritt erklären. Käßmann werde auch ihr Amt als Landesbischöfin von Hannover niederlegen, meldet dpa.

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Auf der Kanzel predigen sie die zehn Gebote - Lügen, Ehebrechen, lasterhaftes Verhalten oder gar Kriminalität sollen nicht sein. Die Alkoholfahrt von Margot Käßmann, der obersten Repräsentantin von 25 Millionen evangelischen Christen in Deutschland, zeigte dem deutschen Volk wieder einmal, wie weit Anspruch und Wirklichkeit in dieser Gesellschaft auseinander klaffen.



In einem Interview mit dem TÜV-Nord  hatte sie 2007 «mangelndes Verantwortungsbewusstsein» von Autofahrern kritisiert, «insbesondere wenn Alkohol oder Drogen mit im Spiel sind». Nun hat sie selbst kriminell und verantwortungslos schwer betrunken am vergangenen Sonnabend ihren VW-Phaeton durch Hannovers Innenstadt kutschiert, eine rote Ampel überfahren, das Leben fremder Menschen gefährdet.



Eine Lappalie? Kein Grund für eine Bischöfin und Repräsentantin der evangelischen Kirche, Verantwortung zu übernehmen und von ihren Ämtern zurückzutreten? Natürlich nicht, denn so funktioniert nun einmal die doppelte Moral der angeblich moralischen Autoritäten. Selbst das Leitungsgremium der evangelischen Christenheit in Deutschland, die EKD, steht zu ihrer Ratsvorsitzenden Käßmann “in ungeteiltem Vertrauen“, wie EKD-Pressesprecher Reinhard Mawick am heutigen Mittwoch die Öffentlichkeit wissen ließ.



Es ist, als wäre die Schachtanlage Asse wieder geöffnet worden und radioaktiver Müll würde unsere Atmosphäre verstrahlen. Die Hymnen abgehalfterter und gegenwärtiger Politiker auf die EKD-Ratsvorsitzende klingen wie Metamorphosen: vom Bösen zum Guten, von Sünde zum Gottesverständnis, von Verantwortungslosigkeit zu wahrem Menschsein, vom Kriminellen zum fehlbaren Menschen. So wies Günther Beckstein (CSU), Rücktrittsforderungen  entschieden zurück. «Bischöfin Käßmann hat sicher einen Fehler begangen“. Aber dieser Fehler werde nicht dazu führen, dass sie von ihrem Amt als EKD-Chefin zurücktreten müsse. «Auch eine Bischöfin ist keine Heilige, sondern nur ein Mensch, der fehlbar ist», so der CSU-Politiker. Grünen-Chefin Claudia Roth: „Ich bin ganz sicher, dass man dann auch nicht mit Steinen werfen sollte, wenn man möglicherweise im eigenen Glashaus sitzt.» Da kann Grünen-Politikerin und Präses der EKD-Synode Katrin Göring-Eckardt nicht zurückstehen. Sie würdigt die Arbeit Käßmanns als EKD-Ratsvorsitzende als „außerordentlich“. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagt offen, was er von der Kirchenführung erwartet: Dass Bischöfe und Landeskirche der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann nach ihrer Alkoholfahrt Rückendeckung geben. „Ich hoffe, dass die Gläubigen der Landeskirche Niedersachsen und die Bischofskollegen der EKD zu Frau Käßmann stehen und sie stützen.“



Natürlich muß das nicht erstaunen. Ob Thierse oder Käßmann, ob Beckstein oder Claudia Roth – sie alle sind Teil des selben Systems, in dem sich die Herrschenden gegenseitig stützen, rechtfertigen, entschuldigen, wie es gerade gebraucht wird. Dabei gibt es Ämter, in denen darf der dorthinein berufene Mensch nicht fehlen. Von allen, die Wasser predigen, erwartet unser Volk, dass sie nicht selbst (heimlich) Wein trinken. Eine Bischöfin, die volltrunken Auto fährt, ist nicht tragbar. Sie personifiziert die Heuchelei und Bigotterie der evangelischen Kirche. Ihr Rücktritt ist überfällig. Die kirchlichen und politischen „Jubel-Perser“ von Frau Käßmann könnten die Noch-Bischöfin dabei gern begleiten.



Dr. Kersten Radzimanowski




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