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29.07.2010

Lesezeit: etwa 1 Minute

Ein Überflüssiger in der Walhalla

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Auf die Idee, den Zyniker und Modejournalisten Heinrich Heine (1797 – 1856) in die Regensburger Walhalla zu stellen, muß man erst einmal kommen. Das von König Ludwig I. von Bayern konzipierte und von Leo von Klenze errichtete Ehrenmal am Donauufer bei Donaustauf war bislang bedeutenden Deutschen vorbehalten, die sich in der einen oder anderen Weise Verdienste um das Vaterland erwarben.

Von Heinrich alias Harry Heine läßt sich das schwer sagen. Für seine deutschen Mitbürger und ihr Lebensumfeld hatte der stets kritische Publizist, der erst 1825 vom Judentum zum Christentum konvertierte, meistenteils nur Spott und Ironie übrig, wie seine 1826/27 entstandenen „Reisebilder“ zeigen. Dafür imitierte er deutsche Wesensart und Innerlichkeit in zahllosen Gedichten mit z.T. übertriebener Rührseligkeit. Die deutsche Geistestradition wiederum präsentierte er einem oberflächlich interessierten Publikum in feuilletonistischer Manier in seinem rhapsodisch zusammengeschriebenen Report „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“ (1834), das in seinem Schlußkapitel immerhin die prophetische Ankündigung enthält: „Es wird ein Stück aufgeführt werden in Deutschland, wogegen die französische Revolution nur wie eine harmlose Idylle erscheinen möchte. Jetzt ist es freilich ziemlich still (...).“

Selbst die Wahrzeichen des aufkeimenden nationaldemokratischen Gedankens in Deutschland, die Farben schwarz-rot-gold, überzog Heine mit beißendem Spott: „Doch als die schwarz-rot-goldne Fahn, / der alt´ germanische Plunder, / aufs neu' erschien, da schwand mein Wahn / und die süßen Märchenwunder.“

Womit sich Heine, der immerhin die letzten 25 Jahre seines Lebens in Paris zubrachte und dort 1856 verbittert starb, Verdienste um Deutschland erworben haben soll, bleibt mithin schleierhaft. Seine Büste wurde jetzt in der Regensburger Walhalla aufgestellt. Die NPD findet: überflüssig bis zur Geschmacklosigkeit – und sicher nicht das letzte Wort.

Karl Richter

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