22.07.2011
Wunsiedel (am). Die Grabstätte des ehemaligen Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß ist am Mittwochfrüh in Wunsiedel aufgelöst worden. Grund dafür sollen die in den letzten Jahren stets durchgeführten nationalen Demonstrationen gewesen sein, die die Stadt nach Angaben der Verwaltung angeblich immer wieder zum „Schauplatz eines Wallfahrtsorts für die Ewiggestrigen“ machte. Bürgermeister Karl-Willi Beck zeigte sich über die amtlich legitimierte Grabschändung freudig erregt: „Jetzt gibt es keinen Grund mehr für die Ewiggestrigen zu sagen, wir wollen in Wunsiedel eine Veranstaltung machen, weil auf dem Friedhof Rudolf Heß liegt”, so das Stadtoberhaupt in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Die Überreste des deutschen Politikers sollen nun verbrannt und die Asche im Meer verstreut werden. Die Familie stimmte dem widerwillig zu, nachdem vor allem Vertreter der Kirche immer wieder das Thema penetrant in die Öffentlichkeit brachten.
Im Jahre 1987 stimmte die Kirchengemeinde der Beerdigung in Wunsiedel noch zu. Man wollte den letzten Willen des Verstorbenen nicht missachten. Ein Vierteljahrhundert später sieht die Angelegenheit anscheinend schon etwas anders aus. Eine Enkelin stimmte zunächst einer Exhumierung des Großvaters nicht zu. Nachdem jedoch die Kirche ihr aber eindringlich und permanent vermittelte, dass die Stadt Wunsiedel das zur „Pilgerstätte“ erklärte Grab endlich loswerden möchte, gab sie diesen Umtrieben nach. Besonders dreist erscheint auch der Termin der Exhumierung. Ausgerechnet am 20. Juli wurde das Grab des Stellvertreters Hitlers entfernt: genau 67 Jahre nach dem gescheiterten Attentat auf den deutschen Diktator.
Rudolf Heß flog am 10. Mai 1941 als deutscher Reichsminister nach England, um der englischen Regierung einen Friedensvertrag anzubieten. Diese lies sich jedoch auf keine Verhandlungen ein und verhaftete Heß. Er wurde zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt und saß 66 Jahre im Gefängnis. 1987 plante Gorbatschow aus humanitären Gründen seine Freilassung. Doch kurz vor dem Termin der Freilassung wurde Heß im Gefängnis tot aufgefunden. Offiziell hielt es der damals 93-Jährige in Gefangenschaft nicht mehr aus und nahm sich daraufhin durch Erhängen mit einem Verlängerungskabel das Leben. Seine Familie und nahestehendes Personal des Gefängnisses jedoch zweifeln an dieser Darstellung, da damals durch eine erneute Untersuchung der Leiche eines deutschen Gerichtsmediziners, verschiedene Merkmale gefunden wurden, die nicht auf einen Suizid sondern auf einen Mord hindeuteten. Die Forschung geht mittlerweile von einem Anschlag des englischen Geheimdienstes aus.
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