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30.05.2012

Lesezeit: etwa 2 Minuten

Deutschland bekommt die Kinderarmut nicht in den Griff

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In einem Land, in dem vom Geldbeutel der Eltern in hohem Maß der Schul- und Ausbildungserfolg der Kinder abhängt, und von diesem wiederum das berufliche Vorankommen, ist Kinderarmut ein besonders an die Grundfesten der Gemeinschaft gehendes Problem. Nicht einmal in den durchliberalisierten USA ist die Abhängigkeit der schulischen Chancen der Kinder so stark abhängig vom elterlichen Einkommen wie hierzulande.

Deutschland belegt, was das Ausmaß der Kinderarmut betrifft, unter den Industrienationen nur einen mittleren Platz. Laut UNICEF sei es Deutschland in den vergangenen Jahren nicht gelungen, die Lebenssituation von Kindern entscheidend zu verbessern.

Fast jedes sechste Kind hierzulande gilt als arm, im OECD-Durchschnitt ist es jedes achte Kind. 14 Prozent der Kinder in Deutschland leben in ärmlichen Verhältnissen, in Haushalten von Alleinerziehenden sind es sogar 40 Prozent. Fünf Prozent müssen gänzlich auf warme Mahlzeiten verzichten. 8,8 Prozent müssen mit einer evidenten Mangelsituation zurechtkommen.
Deutschland bewegt sich somit auf demselben Niveau wie Tschechien und Malta. In Dänemark ereilt dieses Schicksal nur 2,6, in Schweden sogar nur 1,3 Prozent der Kinder.

Die Zahlen belegen klar: trotz penetranten Aufschwunggefasels haben es die Herrschenden in unserem Land nicht geschafft, das Massenphänomen der Kinderarmut wirksam zu bekämpfen. Immer noch sind 2,5 Millionen Kinder in Deutschland mit Armut konfrontiert, mit sogar leicht steigender Tendenz.

Die Tatsache, daß nur 42,2 Prozent der Eltern der unter Armut leidenden Kinder arbeitslos sind, beweist, daß auch die Zöglinge vieler Berufstätiger von Armut bedroht sind. Der soziale Preis der Liberalisierung des Arbeitsmarkts und der Sozialsysteme durch die Hartz-Reformen ist die Isolierung von Millionen Menschen im Niedriglohnsegment.

UNICEF-Sprecherin Helga Kuhn meint, daß Deutschland viel zu wenig unternimmt, um die Situation der Kinder zu verbessern. Die skandinavischen Länder nehmen wesentlich mehr Geld für Bildung und Familienförderung in die Hand. Während Deutschland die Haushaltstitel für Familien und Bildung sukzessive reduziert, steigern andere europäische Staaten ihre Investitionen in diesen Bereichen.

Während Frankreich und andere EU-Staaten Eltern mit Kindern wirksam steuerlich entlasten, die staatlichen Geldzuwendungen zielgerichtet einsetzen und nicht mit der sprichwörtlichen Gießkanne verschwenden, investieren wir hierzulande in Integrationsprojekte und andere systematische Zweckentfremdungen. Während andere europäische Staaten dafür sorgen, daß es ihren Kindern an nichts mangelt und damit Erfolg haben, sorgt die bundesdeutsche Politik für Armutsbiographien.

Die Tatsache, daß auch immer mehr Kinder arbeitender Eltern in Armut leben, beweist, daß die Lohnpolitik hierzulande eine Ursache für das sich ausbreitende Armutsproblem ist. Darum sind die Schaffung von armutsfesten Mindestlöhnen und die Umsetzung einer zielgerichteten Förderung benachteiligter Familien dringender denn je. 


Ronny Zasowk


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